Welches E-Rechnungs-Format? Der Praxis-Check für die Formatwahl

Die technische Frage bei der Umstellung lautet selten „E-Rechnung ja oder nein“, sondern: welches Format? Drei Namen tauchen dabei immer auf — XRechnung, ZUGFeRD und Peppol. Sie sind keine Alternativen im Sinne von „entweder/oder“, sondern lösen unterschiedliche Probleme.

Die drei Begriffe sauber getrennt

Der häufigste Denkfehler ist, alle drei auf dieselbe Ebene zu stellen. Tatsächlich beschreiben sie Verschiedenes:

Den technischen Aufbau vergleicht XRechnung vs. ZUGFeRD im Detail. Hier geht es um die Entscheidung.

Formatwahl nach Situation

Deine Situation Empfohlenes Format Warum
Rechnungen an Behörden, Ämter, kommunale Betriebe XRechnung Vorgeschrieben im B2G, inklusive Leitweg-ID
Kunden im Mittelstand, die die Rechnung auch ansehen ZUGFeRD Ein Dokument für Mensch und Maschine, kein Erklärungsbedarf beim Empfänger
Kunden mit vollautomatischer Verarbeitung (ERP) XRechnung (UBL oder CII) Kein PDF-Ballast, direkt einlesbar
Empfänger im EU-Ausland Peppol BIS über das Peppol-Netz Einheitlicher Weg ohne bilaterale Absprachen, siehe Peppol-ID
Gemischter Kundenkreis, kleines Volumen ZUGFeRD als Standard Wird von jedem Empfänger akzeptiert — auch von dem, der noch nicht umgestellt hat

Nach Branche und Größe

Handwerk und kleine Dienstleister fahren mit ZUGFeRD am ruhigsten: Der Kunde bekommt weiterhin eine PDF, die er öffnen und ablegen kann, und die strukturierten Daten reisen unsichtbar mit. Die branchenspezifischen Fragen behandelt E-Rechnung im Handwerk.

Bau und öffentliche Aufträge kommen an der XRechnung nicht vorbei. Hier ist die Leitweg-ID das eigentliche Nadelöhr — sie wird je Auftraggeber vergeben und muss in den Stammdaten gepflegt werden. Siehe E-Rechnung an Behörden.

Handel und Industrie mit hohem Volumen sollten auf reines XML setzen und die PDF-Erzeugung gar nicht erst mitschleppen. Wo bereits EDI-Verfahren laufen, gilt die verlängerte Übergangsfrist — der Wechsel lässt sich planen statt erzwingen.

Freiberufler und Kleinunternehmer brauchen zunächst überhaupt kein Ausgangsformat: Für sie gilt bis 2028 nur die Empfangspflicht. Details unter E-Rechnung für Kleinunternehmer.

Beim Empfang gibt es keine Wahl

Wichtig für die Planung: Die Formatwahl betrifft nur den Versand. Beim Empfang musst du jedes normkonforme Format annehmen können — du kannst einem Lieferanten nicht vorschreiben, dass er statt XRechnung ZUGFeRD schickt. Deine Eingangsverarbeitung muss also beides lesen: reines XML in UBL und CII sowie ZUGFeRD-PDFs, aus denen das eingebettete XML ausgelesen wird.

Checkliste: Ist meine Software E-Rechnungs-ready?

Prüfe dein aktuelles Programm anhand dieser sieben Punkte. Jedes „Nein“ ist ein konkreter Gesprächspunkt mit dem Anbieter:

  1. Ausgang: Erzeugt sie XRechnung oder ZUGFeRD in einer Version, die der EN 16931 entspricht — und nennt sie die Version?
  2. Eingang: Liest sie eingehende XML-Dateien und ZUGFeRD-PDFs, oder nur das, was sie selbst erzeugt?
  3. Validierung: Prüft sie vor dem Versand gegen die Schematron-Regeln, oder merkst du den Fehler erst, wenn der Kunde ablehnt?
  4. Leitweg-ID: Gibt es ein eigenes Feld dafür, oder musst du sie in ein Bemerkungsfeld tippen?
  5. Archivierung: Legt sie das strukturierte Original ab — oder nur einen PDF-Ausdruck? Siehe E-Rechnung archivieren.
  6. Stammdaten: Lassen sich USt-IdNr., Bankverbindung und Zahlungsbedingungen je Kunde sauber pflegen?
  7. Korrekturen: Kann sie Gutschriften und Rechnungskorrekturen mit korrekter Referenz auf die Ursprungsrechnung erzeugen?

Ob sich der Wechsel überhaupt lohnt oder ein kostenloses Werkzeug reicht, ordnet E-Rechnung Software ein.

Format testen, bevor du dich festlegst

Am schnellsten klärt sich die Formatfrage an einer echten Datei. Erzeuge im Browser-Tool dieselbe Rechnung einmal als XRechnung und einmal als ZUGFeRD, schick beide an einen Testkunden und sieh, was in dessen System ankommt. Beide Varianten werden dabei gegen die EN 16931 und die deutschen Geschäftsregeln geprüft — lokal im Browser, ohne Upload.

Häufige Fragen

Welches E-Rechnungs-Format soll ich wählen?

Für öffentliche Auftraggeber die XRechnung, für Kunden, die die Rechnung auch lesen wollen, ZUGFeRD, für den grenzüberschreitenden Versand über ein Netzwerk Peppol BIS. Alle drei erfüllen die EN 16931.

Muss ich mich auf ein Format festlegen?

Beim Versand ja — ein Format pro Kundengruppe hält die Prozesse einfach. Beim Empfang nicht: Du musst jedes normkonforme Format annehmen können.

Was ist der Unterschied zwischen UBL und CII?

Beides sind XML-Syntaxen der XRechnung. UBL stammt aus dem OASIS-Umfeld, CII von UN/CEFACT. Inhaltlich sind beide gleichwertig; ZUGFeRD nutzt intern CII.

Woran erkenne ich, ob meine Software E-Rechnungs-fähig ist?

Sie muss ein normkonformes Ausgangsformat erzeugen, eingehende XML- und ZUGFeRD-Dateien lesen, das strukturierte Original archivieren und die Leitweg-ID als Feld führen können.